In Bad Herrenalb wird Mädchen von zwölf bis 18 Jahren geholfen

Die Jugendhilfeeinrichtung „fairWandlung gGmbH begleitet Mädchen in schwierigen Lebenssituationen auf dem Weg ins Leben. Der FDP-Landtagskandidat Johannes Feldmann informierte sich.

Johannes Feldmann (von rechts) , Nazanin Naseri Feldmann , Barbara Strohmer, Jutta Kemmer-Hönig und Kristin Strohmer in der Jugendhilfeeinrichtung. Foto: FDP-Kreisverband

Eine kleine Delegation besuchte die sozialtherapeutische Jugendhilfeeinrichtung fairWandlung gGmbH. Mit dabei waren der Unternehmer und FDP-Landtagskandidat Johannes Feldmann, die Unternehmerin Jutta Kemmer-Hönig sowie die Sozialarbeiterin und Streetworkerin Nazanin Nazeri Feldmann.

Die Gäste wurden laut FDP-Pressemitteilung von Kristin Strohmer und Barbara Strohmer, zwei der vier Gründerinnen der Einrichtung, empfangen.

Die Einrichtung hat im Juni 2025 ihre Türen geöffnet und betreut bereits zwölf Mädchen aus ganz Deutschland, die von Jugendämtern vermittelt werden. Die Mädchen sind zwischen zwölf und 18 Jahre alt, können in besonderen Fällen jedoch bis zu ihrem 21. Lebensjahr in der Wohngruppe bleiben.

„In jeder Frau steckt eine Königin“ – dieses Leitmotiv prägt das pädagogische Konzept „Vom Aschenputtel zur Königin“ und ist für insgesamt vier Gruppen ausgelegt. Diese tragen die symbolischen Namen: Aschenputtel, Maid, Prinzessin und Königin. Das Stufenmodell soll Orientierung geben, Entwicklung sichtbar machen, Selbstwirksamkeit fördern und die Mädchen befähigen, Verantwortung für sich, ihr eigenes Handeln und in Folge für ihr Leben zu übernehmen. Die ersten beiden Gruppen sind voll belegt, die anderen beiden werden nach den dafür notwendigen Entwicklungsschritten der Jugendlichen noch hinzukommen.

Intensive Elternarbeit

Die fairWandlung gGmbH arbeitet sozialtherapeutisch. Therapieangebote wie systemische- und Traumatherapie, Achtsamkeitstraining, Kunsttherapie sowie Einzel- und Gruppentherapien finden direkt vor Ort statt. Lange Wartezeiten und zusätzliche Wege bei externen Anbietern entfallen hierdurch.

Ein zentrales Ziel der Arbeit ist die Rückführung der Mädchen in ihre Familien, sofern dies möglich ist. Intensive Elternarbeit spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Die Gründerinnen berichten von erheblichen strukturellen Hürden und bürokratischen Herausforderungen während der Gründungsphase aber auch im laufenden Betrieb. Es habe weder Gründungszuschüsse noch staatliche Aufbauhilfen gegeben. Gleichzeitig seien Jugendämter überlastet und Fördermittel ungleich verteilt.

Kristin Strohmer hinterfragte im Interview kritisch die Prioritätensetzung staatlicher Ausgaben. Sie machte darauf aufmerksam, dass umfangreiche finanzielle Hilfen für andere Länder in großem Umfang bereitgestellt würden, während gleichzeitig in Deutschland an vielen wichtigen Stellen die notwendige Unterstützung fehle.

Vergleich aus Luftfahrt

Um die Herausforderungen zusammenzufassen, mit denen die Gründerinnen – ebenso wie viele andere in Deutschland – konfrontiert sind, zog Feldmann einen Vergleich aus der Luftfahrt heran. Dort heißt es in den Sicherheitsanweisungen bekanntlich, dass im Notfall zunächst die eigene Sauerstoffmaske angelegt werden soll, bevor anderen geholfen wird. Übertragen auf die aktuelle Situation bedeute dies: Der Staat müsse zuerst für Stabilität im eigenen Land sorgen, um anschließend handlungsfähig zu sein und Unterstützung in andere Richtungen leisten zu können. Investitionen in soziale Einrichtungen seien daher Investitionen in die Zukunft des eigenen Landes – in eine gesunde, stabile und tragfähige Gesellschaft. Hierfür wolle er einstehen.

Weitere Herausforderungen seien hohe Energiekosten. Die Einrichtung bewohnt eine denkmalgeschützte Jugendstilvilla aus dem Jahr 1907. Energetische Sanierungen sind kaum förderfähig, obwohl sie dringend notwendig wären.

Neuartiges Konzept

Die Idee für die Einrichtung entstand aus persönlichen Gesprächen während eines Urlaubs. Daraus entwickelte sich der Anspruch, ein eigenständiges und neuartiges Konzept zu schaffen, das Mädchen in schwierigen Lebenslagen stärkt und zugleich faire Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter gewährleistet. Eine angemessene Vergütung, wertschätzende Führung sowie professionelle therapeutische Begleitung in Krisensituationen zählen zu den zentralen Werten der fairWandlung gGmbH.

Zum Abschluss des Besuchs richtete Johannes Feldmann einen persönlichen Appell an Politik und Gesellschaft: „Diese Einrichtung zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Fachlichkeit, Engagement und Verantwortung zusammenkommen“, sagte der Unternehmer.